Die neue AFNET-Studie CABA-MiTRA-AFNET12-DZHK34 ist am 21. September 2026 gestartet

Beiträge

AKTUELLES

Di, 22.09.2026

Pressemitteilung

Verbessert eine Katheterablation die Aussichten bei Menschen mit Vorhofflimmern nach Mitralklappenreparatur?

Das Kompetenznetz Vorhofflimmern (AFNET) hat die CABA-MiTRA-AFNET12-DZHK34 Studie gestartet. Am 21.09.2026 wurde an der Uniklinik Köln die erste Teilnehmerin eingeschlossen. 

Eine Mitralklappeninsuffizienz ist die häufigste Herzklappenerkrankung bei älteren Menschen. Die Betroffenen erhalten in der Regel eine mittels Kathetern durchgeführte Reparatur der defekten Herzklappe. Viele dieser Patient:innen leiden gleichzeitig an der Herzrhythmusstörung Vorhofflimmern, die medikamentös und mit einer Katheterablation behandelt werden kann. Die CABA-MiTRA-AFNET12-DZHK34 Studie will nun herausfinden, ob Patient:innen mit Vorhofflimmern nach einer Mitralklappenreparatur durch eine Ablation besser vor Schlaganfällen und anderen schweren Komplikationen geschützt sind als durch die heute übliche medikamentöse Standardbehandlung.

Vorhofflimmern, die häufigste Herzrhythmusstörung, ist mit einem erhöhten Risiko für vorzeitigen Tod, Schlaganfälle, Herzschwäche und andere schwere Komplikationen verbunden. Eine frühzeitig eingeleitete rhythmuserhaltende Therapie hat sich als vorteilhaft erwiesen, um die mit Vorhofflimmern verbundenen Komplikationen zu verringern (1).

Obwohl die Vorhofflimmerablation eine ausgereifte Technologie ist, kommt sie bei älteren Patient:innen mit Begleiterkrankungen zurzeit noch eher selten zum Einsatz. Bisher gibt es nur wenige kontrollierte Studien zur Wirksamkeit und Sicherheit der Katheterablation von Vorhofflimmern im höheren Lebensalter. Insbesondere die Vorhofflimmerablation nach Reparatur eines Mitralklappenfehlers wurde noch nicht untersucht.

CABA-MiTRA steht für Catheter Ablation for Atrial Fibrillation in Patients with Severe Mitral Regurgitation after Successful Transcatheter Mitral-Valve Repair, auf deutsch: Katheterablation bei Patient:innen mit Vorhofflimmern und schwerer Mitralklappeninsuffizienz nach erfolgreicher Transkatheter-Mitralklappenreparatur. AFNET Vorstand Prof. Stephan Willems, Hamburg, der die CABA-MiTRA-AFNET12-DZHK34 Studie gemeinsam mit den drei AFNET Lenkungsausschussmitgliedern Prof. Lars Eckardt, Münster, Prof. Daniel Steven, Köln, und Prof. Reza Wakili, Frankfurt, leitet, erläutert den Hintergrund:

„Neuere Ergebnisse haben gezeigt, dass eine Katheterablation Patient:innen mit Vorhofflimmern und bestimmten Begleiterkrankungen besser vor Komplikationen des Vorhofflimmerns schützt als die übliche Standardbehandlung. Wir wollen nun herausfinden, ob das auch auf die spezielle Gruppe der Vorhofflimmerpatient:innen nach einer Mitralklappenreparatur zutrifft. Zu diesem Zweck hat das Kompetenznetz Vorhofflimmern (AFNET) die CABA-MiTRA-AFNET12-DZHK34 Studie ins Leben gerufen und führt diese nun in Kooperation mit dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) durch.“

Um die Studienfrage beantworten zu können, plant das AFNET den Einschluss von 956 Patient:innen, die an Vorhofflimmern leiden und innerhalb der letzten sechs Monate eine erfolgreiche Mitralklappenreparatur erhalten haben. Bei Eintritt in die Studie werden alle Teilnehmenden nach dem Zufallsprinzip einer von zwei gleich großen Gruppen zugeordnet, wo sie entweder eine Vorhofflimmerablation oder die übliche leitliniengerechte medikamentöse Behandlung erhalten. Etwa 50 Kliniken in Deutschland und Europa sollen an der Rekrutierung und Behandlung der Studienpatient:innen mitwirken.

Ko-Studienleiter Prof. Wakili lobt die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten: „CABA-MiTRA-AFNET12-DZHK34 ist eine Teamleistung. Durch das unermüdliche Engagement des AFNET und der teilnehmenden Studienzentren sowie die fruchtbare Kooperation mit dem DZHK und den anderen Partnern ist es uns gelungen, die Studie erfolgreich zu starten und die erste Patientin einzuschließen.“ 

Aktuelle Daten deuten darauf hin, dass die Komplikationen verhindernde Wirkung einer frühzeitigen Vorhofflimmerablation auf eine Verringerung der Vorhofflimmerlast zurückzuführen ist. Um diesen Zusammenhang zu untersuchen, wird im Rahmen einer Substudie auch die Vorhofflimmerlast quantitativ erfasst. Dazu wird an einigen Studienzentren den Teilnehmenden optional die Implantation eines Ereignisrekorders angeboten, mit dem sich die Vorhofflimmerlast genau messen lässt.

„Vorhofflimmern und Mitralklappeninsuffizienz treten bei älteren Menschen häufig gemeinsam auf. Beide Erkrankungen sind nicht nur durch eine komplexe pathophysiologische Wechselwirkung miteinander verbunden, sondern es ist auch zu erwarten, dass ihr Auftreten durch die Alterung der Bevölkerung und andere Ursachen, zum Beispiel Adipositas, zunehmen wird. Eine optimale Behandlung dieser Patient:innengruppe wird daher immer wichtiger.“ erklärt Ko-Studienleiter Prof. Steven.

Ko-Studienleiter Prof. Eckardt fasst zusammen: „Die Ergebnisse der CABA-MiTRA-AFNET12-DZHK34 Studie können die Behandlung der Menschen mit Vorhofflimmern und Mitralklappeninsuffizienz verbessern. Unsere Studie hat damit das Potenzial, zu einem gesünderen Altern in dieser Bevölkerungsgruppe mit erhöhtem Risiko für vorzeitigen Tod, Schlaganfall und Herzschwäche beizutragen.“

CABA-MiTRA-AFNET12-DZHK34 ist eine wissenschaftsinitiierte Studie, die zwei zugelassene Behandlungsstrategien bei Patient:innen mit Vorhofflimmern vergleicht und keine kommerziellen Interessen verfolgt. Sponsor der Studie ist das AFNET. Finanzielle Unterstützung zur Durchführung der Studie wird von den folgenden Partnern zur Verfügung gestellt: Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK), Deutsche Herzstiftung, Abbott Medical, Boston Scientific, Biosense Webster / Johnson & Johnson.

Publikationen

(1) Kirchhof P et al. Early rhythm control therapy in patients with atrial fibrillation. N Engl J Med 2020; 383:1305-1316. DOI: 10.1056/NEJMoa2019422

Registrierung: NCT07380932

Kompetenznetz Vorhofflimmern e.V. (AFNET)

Das Kompetenznetz Vorhofflimmern e.V. (AFNET) ist ein interdisziplinäres Forschungsnetz, in dem Wissenschaftler:innen und Ärzt:innen aus Kliniken und Praxen zusammenarbeiten. Ziel des Netzwerks ist es, die Behandlung und Versorgung von Patient:innen mit Vorhofflimmern in Deutschland, Europa und weltweit durch koordinierte Forschung zu verbessern. Dazu führt das AFNET wissenschaftsinitiierte, nicht-kommerzielle, klinische Studien (investigator initiated trials = IIT) und Register auf nationaler und internationaler Ebene sowie translationale Forschungsprojekte durch. Der Verein ist aus dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Kompetenznetz Vorhofflimmern hervorgegangen. Seit Januar 2015 werden einzelne Projekte und Infrastrukturen des AFNET vom Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) sowie einige Projekte aus EU-Forschungsmitteln gefördert. Das AFNET verfügt über langjährige Erfahrung in der Behandlung von Vorhofflimmern, unterstützt aber auch Forschungsarbeiten in anderen Bereichen, die für die kardiovaskuläre Versorgung relevant sind. Die Erkenntnisse aus der mittlerweile 23jährigen klinischen und translationalen Forschung des Forschungsnetzes haben das Leben von Patient:innen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbessert und Behandlungsleitlinien beeinflusst.

www.kompetenznetz-vorhofflimmern.de

Pressekontakt

Dr. Angelika Leute
Tel: 0202 2623395
a.leute@t-online.de

Schreibe einen Kommentar